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Interview mit Manuela Voigt

60 Jahre Volkswagen Leasing: Das Powerhouse der Transformation

24. September 2026

Im Interview erklärt Manuela Voigt, Sprecherin der Geschäftsführung der Volkswagen Leasing, die Entwicklung des Leasing-Geschäfts, welche Wachstumspotenziale sie sieht und die große Bedeutung von Kolleginnen und Kollegen.

Die  VW Leasing ist für viele das aktuelle Powerhouse des Finanzdienstleistungskonzerns. Welche Bedeutung hat die Volkswagen Leasing für die Volkswagen Financial Services?

Ich würde eher sagen, dass die VW Leasing "inzwischen" das Powerhouse ist. Vor 24 Jahren, als ich hier angefangen habe, war die VW Bank mit ihren klassischen Finanzierungsgeschäft noch deutlich stärker. Inzwischen sind wir der wesentliche Treiber beim Wandel zur E-Mobilität. Ursprünglich ist Leasing ja ein sehr gewerbliches Produkt. Dann kam die Erweiterung in Richtung Privatkunden. Mit der Dieselkriese 2015 und dem beginnenden Wechsel zur E-Mobilität ist Leasing immer stärker geworden. Auch bei der Kundenloyalisierung an den Handel bzw. an die Konzernmarken: Leasing ist und bleibt das sicherste Produkt im Hinblick auf Kundenloyalität und – durch die hohe Anbindungsquote von Dienstleistungsprodukten – für die Ertragsgenerierung über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs.

Stichwort Privatkundengeschäft und Elektromobilität: Glaubst du, dass der Wechsel in das Privatkundengeschäft auch ohne den Technologiewechsel zur Elektromobilität stattgefunden hätte? Hat sich in Sachen Kaufverhalten etwas geändert in den Köpfen der Privatkunden?

Definitiv ja: es gab auch vor der Elektromobilität den Wechsel zu Leasing, Insbesondere bei jungen Menschen hat sich der Trend vom „Nutzen statt Besitzen“ fort- und durchgesetzt. Ich glaube, dass die Elektromobilität ein massiver Beschleuniger dieses Trends gewesen ist, der grundlegende Wechsel im Mobilitätsverhalten hätte sich aber auch so vollzogen.

Wie schätzt du das Flottengeschäft derzeit ein - als ein Treiber der Entwicklung?

Flotten sind die stabile Säule unseres Geschäftsmodells. Das Flottengeschäft war gefühlt schon immer da, das Privatkundengeschäft kam später hinzu. Bemerkenswert ist, dass der Flottenanteil 2025 zum ersten Mal größer war als der Privatkundenanteil. Leasing ist für gewerbliche Kunden nicht wegzudenken. Neben den produktbezogenen Kundenvorteilen auch, um sich vor etwaigen Risiken, zum Beispiel bei den Restwerten, zu schützen. 

Manuela voigt, sprecherin der geschäftsführung der vw leasing

Die Penetrationsraten sind eindeutig: die europäischen Neuwagenmärkte sättigen sich zunehmend. Dadurch entsteht ein stärkerer Fokus auf Gebrauchtwagen. Wie beurteilst du die Potentiale dieses Geschäfts.?

Wir sehen hier eindeutig noch große Geschäftspotentiale. Im GW-Geschäft existiert zwar bei den Kunden grundsätzlich eine höhere Affinität zu Finanzierungen. Nichtsdestotrotz fangen wir erst an, die erste Generation der BEV zu verkaufen. BEVs bleiben auch im GW-Geschäft ein wesentlicher Treiber für das Leasing. Der Gebrauchtwagenmarkt hat für uns auch eine sehr wichtige strategische Komponente, schließlich wollen wir über den gesamtem Lebenszyklus des Fahrzeugs beim Kunden bleiben und ihn mit unseren Finanzdienstleistungsprodukten und unseres Services versorgen. Außerdem wird das Thema Gebrauchtwagen nach wie vor zu häufig dem freien Handel überlassen und nicht dem Konzernhandel. 

Kannst du dir erklären, warum Leasing im GW-Geschäft noch nicht so etabliert ist?

Aus Kundensicht und psychologisch betrachtet fragt man sich natürlich schon, warum ein Käufer ein Auto wirklich besitzen will und dies manchmal bis zum Alter von acht oder neun Jahren. Man könnte noch von einer gewissen Skepsis in diesem Marksegment gegenüber Leasing sprechen, da das Gebrauchtwagengeschäft in Deutschland ein etablierter Finanzierungsmarkt ist. Ich glaube, auch in diesem Kundensegment wird analog zum Neuwagen die zunehmende Verfügbarkeit von gebrauchten Elektrofahrzeugen das Wachstum im Leasing unterstützen. Die Vorteile bezüglich Loyalität und Anbindung von After Sales Produkten lassen sich auch auf dieses Fahrzeugsegment übertragen – insbesondere bei den älteren Gebrauchtwagen im Alter von drei bis acht Jahren.

Jetzt mal etwas zu dir und deiner Zeit bei VWFS: Hast du dir – als du vor 24 Jahren hier angefangen hast – diese unglaubliche Entwicklung vorstellen können?

Nein, gar nicht. Als ich begonnen habe, war Leasing ein klassisches gewerbliches Produkt,  basierend auf einem Erlass der Oberfinanzdirektion (lacht)*. Der Einstieg ins Privatkundengeschäft war damals nicht einfach, allein deshalb, weil es damals – heute leider in Teilen immer noch – große Vorbehalte gegenüber Leasing gegeben hat. Ein weiteres völlig unerwartetes Element in der Dynamisierung des Leasings war – so ehrlich muss man sein – die Dieselkrise. Sie hat für einen enormen Turbo in der Strategie des Konzerns in Richtung E-Mobilität und damit für das Leasing gebracht. 

Früher war mal die Rede von einem bestimmten Leasing-Spirit. Gibt es diesen Spirit noch oder nimmst du eher einen gemeinschaftlichen VWFS-Spirit wahr?

Um ehrlich zu sein, hoffe ich, dass wir keine eigene Leasingkultur haben. Als ich vor rund 23 Jahren hier anfing zu arbeiten, fand ich es immer befremdlich, dass so getan wurde, als ob die VW Bank und die VW Leasing völlig unterschiedliche Unternehmen seien. Das haben wir glücklicherweise hinter uns gelassen. Aus meiner Sicht hat sich eine VWFS-Kultur etabliert. Und das ist auch gut so. Das macht den Wechsel und den Erfahrungsaustausch untereinander viel einfacher. Für mich persönlich gilt: Formal bin ich zwar Geschäftsführerin der VW Leasing, aber ich fühle mich eher als Teil des VWFS-Marktes Deutschland. Am Ende des Tages müssen wir gemeinsam mit unseren Marken das richtige Produkt für unsere Kunden anbieten – egal ob Leasing, Finanzierung, Versicherungs- oder Serviceverträge. 

manuela voigt im gespräch zu 60 jahre vw leasing

Wie ist denn das erste Halbjahr 2026 gelaufen?

Wir können mit dem bisherigen Geschäftsverlauf zufrieden sein – vor allen Dingen, wenn wir die aktuellen, herausfordernden Rahmenbedingungen berücksichtigen. Unsere Penetrationsraten halten sich auf einem hohen Niveau und sowohl im Großkundengeschäft als auch im Gebrauchtwagenleasing für Einzelkunden stehen wir deutlich besser da als letztes Jahr. Wir beobachten zwar eine steigende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber, die sukzessive Marktanteile gewinnen. Trotzdem sind unsere Vertriebszahlen in Deutschland gut. Die geopolitische Lage im Nahen Osten führt auch dazu, dass sich mehr Kunden als zuvor aufgrund der hohen Spritkosten für BEV entscheiden. Inwiefern diese Entwicklung temporär ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Wir sehen aber gerade insgesamt im Markt, dass viele der neuen BEV-Fahrer erkennen, wie alltagstauglich Elektromobilität mittlerweile ist. 

Nach vorne gerichtet: An welchem Thema müssen wir nun dran bleiben, um auch in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren so erfolgreich zu sein?

Das sind aus meiner Sicht die Themen Gebrauchtwagen und After Sales. Angesichts der Tatsache, dass wir nicht mehr mit steigenden Neuwagenvolumen rechnen können, liegt hier noch das größte Wachstumspotenzial. Unsere Händlerpartner haben in den letzten Jahren – bis auf einige Ausnahmen – um ältere Gebrauchtwagen ab drei Jahren einen großen Bogen gemacht.

Warum wurde das Potenzial bisher nicht erkannt?

Das Gebrauchtwagengeschäft ist speziell. Man muss dafür die entsprechenden Strukturen aufbauen und sehr schnell und individuell im An- und Verkauf agieren. Wir sind aber der festen Überzeugung: Es lohnt sich. Es ist eine Investition in ein separates Geschäftsfeld – vor allem, um die Ertragskraft im Handel langfristig sicherzustellen.

Denn was ansonsten passiert, kann man gut in Norwegen und Dänemark beobachten. Dort ist die Händlerprofitabilität in den letzten Jahren deutlich gesunken. Warum? Weil der hohe Anteil an Elektrofahrzeugen dazu führt, dass die Werkstätten deutlich weniger ausgelastet sind. Das ist auch in Deutschland nur eine Frage der Zeit. Diese Entwicklung lässt sich nur durch Gebrauchtwagen, Versicherungen und Serviceverträge kompensieren.

Was wünscht du dir für das Leasinggeschäft bei VW FS für die kommenden Jahre?

Natürlich wünscht man sich immer, dass der Erfolgspfad so weiter geht und wir jetzt die langfristige Grundlage für unser zukünftiges Wachstum schaffen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind – auch wenn wir natürlich noch viele Großprojekte ins Ziel führen müssen. Ich wünsche mir aber vor allem, dass ich auch in Zukunft mit so tollen und motivierten Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten kann. Denn im Endeffekt ist es genau das, was uns ausmacht und auch langfristig stark macht: Unser Team. 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

* Hintergrundinformation: Der Leasingerlass des Bundesfinanzministeriums spielte eine zentrale Rolle für die Entstehung und den Erfolg des Fahrzeugleasings in Deutschland. Er schuf erstmals klare steuerliche Regeln dafür, wem ein geleastes Fahrzeug wirtschaftlich zuzurechnen ist und wie Leasingzahlungen steuerlich behandelt werden. Diese Rechtssicherheit war ein entscheidender Wachstumstreiber.

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