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60 Jahre Volkswagen Leasing GmbH

Zeitreise: Das Werden und Wachsen der Volkswagen Leasing

60 Jahre Volkswagen Leasing

Mit der Gründung der VWL reagierte Volkswagen im Jahr 1966 auf Entwicklungen in den USA. Zunächst gab es ausschließlich Angebote für Gewerbetreibende.    


In Deutschland war Volkswagen der Pionier beim Automobilleasing. Am 18. Oktober 1966 gründete der Wolfsburger Autobauer die „Volkswagen Leasing GmbH“ (VWL). Mit dem Tochterunternehmen, das unter der Geschäftsführung von Richard Berthold aufgebaut wurde, reagierte Volkswagen auf Entwicklungen in den USA, dem Mutterland des Leasing. Ein frühes und entschlossenes Engagement im Leasinggeschäft sollte sicherstellen, dass das neue Absatzinstrument in der Hand der Volkswagenwerk AG blieb.

Bild links: Erster Geschäftsführer der Volkswagen Leasing: Richard Berthold.

Neuer Markt

Das Angebot der VWL richtete sich anfänglich ausschließlich an die gewerbliche Wirtschaft, der verschiedene Vertragsmodelle angeboten wurden. In der „Standardvertrag“ genannten Leasingkalkulation für Abnehmer mit geringen Stückzahlen amortisierte sich ein Wagen während der Vertragslaufzeit. Die Summe aller Mietzahlungen umfasste wie bei einer Kreditfinanzierung den vollen Kaufpreis plus Zinsen. Am Vertragsende erhielt der Mieter 90 Prozent des Restwertes erstattet, also der Summe, die aus dem Verkauf des gebrauchten Wagens erzielt wurde.

Bild Rechts: Der Transporter war heiß begehrt. Zu Beginn richtete sich das Angebot der Volkswagen Leasing vor allem an die gewerbliche Wirtschaft.

Monatsraten sanken rapide

Im Juli 1976 traten an die Stelle des Standardvertrags nun Leasingkalkulationen, die zu deutlich niedrigeren Monatsraten führten. Eine günstigere Miete wurde durch Einbeziehung des Restwerts am Beginn der Kalkulation möglich. Die monatlichen Mietzahlungen umfassten die Differenz zwischen dem Neuwert und dem Restwert zuzüglich der Zinsen für den Gesamtwert des Wagens.

 Eine Variation dieses Finanzierungsmodells war der „Vertrag auf offener Abschreibungsbasis“, bei dem die Differenz zwischen dem angenommenen und dem tatsächlichen Restwert dem Kunden am Vertragsende gutgeschrieben oder in Rechnung gestellt wurde. Bei diesem „open-end-Leasing“ blieb das Restwertrisiko beim Kunden.

Eine Variante kam ohne die Restwertbeteiligung des Mieters aus: Der Händler kalkulierte den Restwert in Abhängigkeit von Einsatzzweck, Vertragslaufzeit und Kilometerstand des Fahrzeugs und verpflichtete sich gegenüber der VWL zum Rückkauf des Fahrzeugs in der vereinbarten Höhe. Diese beiden Leasingkalkulationen standen vor allem Großkunden zur Auswahl.

Sorgenfreie Mobilität

Die VWL verstand sich seit ihrer Gründung als eine Leasingfirma, die Volkswagen Modelle mit einem umfassenden Service anbot. Entschied sich ein Kunde für das Dienstleistungsleasing, bezahlte er mit seiner Mietrate Verschleißreparaturen, Schmier- und Wartungsdienst einschließlich Ölwechsel (Dienstleistungspaket A), den Reifenersatz (Dienstleistungspaket C) sowie die Kraftfahrzeugsteuer. Der „Schadenservice“ erlaubte die bargeldlose Regulierung von Unfallschäden. Dieses Angebot wurde seit Februar 1975 „Dienstleistungspaket B“ genannt. 

Das „Dienstleistungspaket B“ zeichnete sich vor allem durch niedrige Beiträge zur Kfz-Haftpflicht und Vollkaskoversicherung aus, deren Höhe nicht von der Schadenklasse des Kunden abhängig war, sondern pauschal verrechnet wurde. Für Einzelabnehmer war der Abschluss dieses Angebots obligatorisch.
 

Vorteile für beide Seiten

Neben einer Kalkulation, die den Gebrauchtwagenwert am Vertragsende berücksichtigte, unterschied sich Leasing gegenüber einer Kreditfinanzierung vor allem dadurch, dass ein Käfer, Golf, Passat oder Transporter im Eigentum der Leasinggesellschaft blieb. Dieses Geschäftsmodell hatte für die Kunden wie auch für die Automobilhersteller gleichermaßen Vorteile: Für Hersteller erhöhte sich der Fahrzeugumschlag, da beim Leasing nach spätestens drei Jahren der alte Wagen durch einen neuen ersetzt wurde. Zugleich steigerte Leasing die Bindung des Kunden an Marke und Händler.

Da der Kunde das Leasingfahrzeug nach der festgelegten Vertragsdauer beim Volkswagen Händler abzugeben hatte, bot sich eine gute Gelegenheit, einen Anschlussvertrag auszuhandeln. Auch war das Full-Service-Angebot für die Werkstätten von Vorteil, da ein Leasingnehmer zu Inspektionen und Reparaturen die Werkstätten der Volkswagen Händler und Vertragswerkstätten aufsuchte.

Die aufgrund der Wartungsarbeiten regelmäßigen Werkstattbesuche sorgten auch dafür, dass der Händlerschaft attraktive und gut gepflegte Volkswagen als Gebrauchtwagen zur Verfügung standen.

Für gewerbliche Kunden lag der Vorteil des Leasing darin, dass die monatliche Rate steuerlich wie eine Miete behandelt wurde, die in voller Höhe als Betriebsausgabe geltend gemacht werden konnte. Da beispielsweise zur Anschaffung eines Transporters keine hohe Anfangsinvestition erforderlich war, schonte Leasing das Eigenkapital. Auch für Großkunden war das Full-Service-Angebot der VWL attraktiv, da die administrativen Kosten, die bei der Verwaltung und Kontrolle eines Fuhrparks vor allem durch Personal anfielen, durch den umfassenden Service der VWL eingespart werden konnten.

Bild rechts: Alte Werbeanzeigen für gewerbekunden

Erfolgreicher Start

Bis Ende des Jahres 1967 waren elf Beschäftigte der VWL damit beschäftigt, das Geschäftsmodell „Leasing“ innerhalb der Volkswagen Händlerorganisation bekannt zu machen und seine Vorteile zu erläutern. Gleichzeitig begann in den Büros auf dem Gelände des Wolfsburger Volkswagen Werks die Akquise der ersten Kunden. Im Verlauf des Jahres konnten Verträge mit Großabnehmern über 396 Fahrzeuge abgeschlossen werden.

Im Januar 1968 wurde die Händlerschaft in die Lage versetzt, selbständig Leasingverträge abzuschließen. Mieter beziehungsweise Händlerpartner übernahmen das Restwertrisiko, das bisher von der VWL getragen worden war. Dank einer engen und vertraglich gegen Konkurrenz geschützten Kooperation mit den Volkswagen Händlern gelang eine spürbare Geschäftsbelebung. Im Verlauf des Jahres wurden 1.437 Wagen vermietet und ein Umsatz von fast fünf Millionen DM erzielt.

Infos über ein noch unbekanntes Produkt 

Werbung, Broschüren und Händlerschulungen waren von Anfang an zentraler Bestandteil der Geschäftstätigkeit, denn es galt über ein noch unbekanntes Produkt zu informieren und Kunden mit guten Argumenten zu überzeugen. Nachdem die Arbeit der ersten Geschäftsjahre vor allem darin bestanden hatte, die Händlerschaft für die neue Finanzdienstleistung „Leasing“ zu gewinnen, erreichte die VWL 1969 die Gewinnzone. Bei einem Wagenbestand von 4.151 Fahrzeugen und einem Umsatz von 10,7 Millionen DM erzielte die VWL eine Eigenkapitalrendite von 100 Prozent. Der Gewinn in Höhe von 1 Million DM wurde zu gleichen Teilen an die Volkswagenwerk AG überwiesen und zur Erhöhung des Eigenkapitals verwendet.

Bei der Genehmigung der Unternehmensgründung durch den Aufsichtsrat der Volkswagenwerk AG im September 1966 war Friedrich Thomée, Vorstand für Finanz und Betriebswirtschaft, davon ausgegangen, dass ab einem Wagenbestand von etwa 2.000 ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis erzielt werden könne. Damals formulierte er 20.000 Leasingverträge als unternehmerisches Ziel der VWL. Mit diesem Bestand sei „ein schöner Gewinn“ zu erzielen.

Bild links: Privatpersonen konnten erstmals im Jahr 1977 Modelle von Volkswagen (hier die Generation Golf aus dem Jahr 1983) und Audi leasen.

Erwartungen schnell erfüllt

Die neue Gesellschaft hatte Thomées Erwartungen nach zwei Jahren erfüllt. Schon 1973 übertraf sie das von Thomée formulierte unternehmerische Ziel mit 23.092 vermieteten Volkswagen und Audi deutlich. Bei einem Umsatz von 93,2 Millionen DM erwirtschaftete die VWL ein Ergebnis von 6,68 Millionen DM, das zu gleichen Teilen an die Wolfsburger Mutter und in die Kapitalrücklage ging.

Mit diesen Umsatzzahlen und diesem Wagenbestand war die VWL die größte Automobilleasinggesellschaft in Deutschland bei einem Marktanteil von rund einem Drittel. Die anhaltenden Erfolge stützten die Erweiterung der Produktpalette. Seit 1970 bot die VWL der Händlerschaft das Investitionsgüterleasing an - und im Mai 1977 konnten erstmals auch Privatpersonen Volkswagen und Audi-Fahrzeuge bei der VWL mieten.

Umzug nach Braunschweig an die Gifhorner Straße

Auch in der schweren Krise der Volkswagenwerk AG zwischen 1973 und 1975 blieb die VWL auf Expansionskurs. Selbst im Krisenjahr 1974 erhöhte sich die Anzahl der vermieteten Automobile um mehr als zehn Prozent und die Gewinnlage blieb ausgezeichnet. Von den Erfolgen der neuen Volkswagen Generation beflügelt, setzte die VWL ihr fulminantes Wachstum fort. 

Nachdem im Juli 1978 die Umbenennung in „V.A.G Leasing GmbH“ (VAGL) vollzogen worden war, überstieg der Umsatz 1981 erstmals die Grenze von einer halben Milliarde DM. 198 Mitarbeiter schlossen 89.347 neue Mietverträge ab. Im kommenden Jahr zog die ständig wachsende Belegschaft gemeinsam mit den Mitarbeitern der VAGKB in Büros an der Gifhorner Straße in Braunschweig.
 

Wettbewerb wird härter

Der Erfolg japanischer Automobilproduzenten auf den europäischen Märkten verschärfte Anfang der 1980er Jahre den Wettbewerb. Im Inland war die Marke Volkswagen gezwungen, sich nach neuen Möglichkeiten der Absatzförderung umzusehen und Lagerbestände vor dem Start des neuen Golf abzubauen. 

Bei dieser Aufgabe kam den Volkswagen Finanzdienstleistern eine zentrale Rolle zu. Wie die VAGKB trug auch die VAGL durch Aktionspakete für Privatleasing-Kunden zu einer merklichen Absatzbelebung bei, indem sie das „Null-Leasing“ anbot. Bei diesem Angebot entsprach die Summe aus Sonderzahlungen, Leasingraten und kalkuliertem Gebrauchtwagenwert der unverbindlichen Preisempfehlung von Volkswagen. Das Angebot wurde möglich, weil es von Herstellern, Händlern und VAGL gleichermaßen gestützt wurde.

Die auf das Privatleasing zugeschnittenen Aktionen sorgten dafür, dass in den kommenden Jahren der Anteil privater Leasingnehmer stieg und der Vertragsbestand der VAGL kontinuierlich ausgebaut werden konnte.

Bild links: Broschüre aus dem jahr 1980

Die Internationalisierung beginnt

Neben den seit 1982 regelmäßigen vorgenommenen Sonderaktionen begann eine erste Orientierung der VAGL auf ausländische Märkte. 1983 startete die VAGL den „Europa Service“, der die bargeldlose Abwicklung von Wartung und Reparatur im europäischen Ausland vorsah. Bis 1988 wurde diese Dienstleistung auf 13 westeuropäische Länder ausgeweitet. Damit verfolgte die VAGL die Idee des „Full-Service-Leasing“ weiter, die bereits seit der Gründung zur Philosophie des Unternehmens gehört hatte.

Den Wandel von Volkswagen zum internationalen Mehrmarken-Konzern begleitete und unterstützte die VAGL mit der Gründung von Tochtergesellschaften und der Eröffnung von Filialbetrieben. Parallel zur Übernahme des spanischen Autobauers Seat durch die Volkswagen AG begann die VAGL mit dem Aufbau der „Seat Leasing GmbH“, die Leasing für Fahrzeuge der Marke in Deutschland anbot.

Politische Wende in Osteuropa, Skoda Leasing entsteht 

Nach der politischen Wende 1989/1990 weitete die Volkswagen AG ihre Geschäfte auf Osteuropa aus. Mit der „Skoda Leasing“ entstand Ende 1991 eine Zweigstelle der vierten Volkswagen Konzernmarke. Die VAGL waqr schließlich mit rund 350.000 Fahrzeugen der größte Anbieter von Automobilleasing in Deutschland - mit jahrelanger Erfahrung im Fuhrparkmanagement und einem erfolgreichen Full-Service-Programm.

Quelle Fotos und Text:
 Historische Kommunikation der Volkswagen AG.

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